Neue Primatenart: Kleinster Menschenaffe wog 10 Kg

Menschenaffe Illustration.
Mit einem Gewicht von nur 10 Kilogramm war Buronius der kleinste Menschenaffe, der je gefunden wurde.

Paläontologen haben in der berühmten Fossillagerstätte Hammerschmiede in Bayern die Überreste einer bislang unbekannten Primatenart entdeckt. Buronius manfredschmidi war mit etwa 10 Kilogramm Körpergewicht der kleinste je gefundene Menschenahne. Zugleich ist es der erste Nachweis, dass vor rund 12 Millionen Jahren zwei menschenahne Affenarten im heutigen Süddeutschland denselben Lebensraum teilten. Die durch Forscher der Universität Tübingen durchgeführte Studie wurde in der Fachzeitschrift Plos One veröffentlicht.

Zwergengroßer Kletterkünstler mit Blätterkost

Die wenigen Fossilien – zwei Zähne und eine Kniescheibe – wurden in unmittelbarer Nähe zu Skelettresten des aufrechten Primaten Danuvius guggenmosi geborgen. Anhand der Größe und Beschaffenheit der Knochen schließen die Wissenschaftler, dass Buronius manfredschmidi einen zierlichen Körperbau wie die asiatischen Kleideraffen (Siamangs) hatte.

Die asymmetrische Form der Kniescheibe deutet auf eine Spezialisierung zum Klettern und Leben in den Baumkronen hin“, erklärt Madelaine Böhme von der Universität Tübingen. Die dünne Zahnschmelzstruktur mit scharfen Schneidekanten lässt auf eine Ernährung von weichen Blättern und Früchten schließen.

Winziger Affe kletterte durch die Bäume Deutschlands

Mit einem geschätzten Gewicht von nur 10 kg war Buronius manfredschmidi der kleinste bekannte Menschenaffe. Seine Zähne und seine Kniescheibe deuten darauf hin, dass er sich eher von weichen Pflanzen ernährte und sich mehr in Bäumen aufhielt als sein größerer Zeitgenosse Danuvius guggenmosi.

Udo, der Allesfresser, und der Laubfresser Buronius

Im Kontrast dazu war der rund 15-45 Kilogramm schwere Danuvius guggenmosi – der sogenannte „Udo“ aus der Hammerschmiede – ein Allesfresser. Seine extrem dicke Zahnschmelzschicht und abgerundeten Kauflächen zeugen von einer Nahrung aus harten Früchten, Nüssen und Pflanzenteilen. Zudem deuten die Fossilfunde auf eine aufrechte Fortbewegungsweise hin.

„Die unterschiedlichen Körpergrößen, Gebissanpassungen und Bewegungsmuster von Buronius und Danuvius ermöglichten es den beiden Primaten, dieselbe Umgebung zu nutzen, ohne in Nahrungskonkurrenz zu treten“, so Böhme. Eine Situation, die der heutigen Koexistenz von Gibbons und Orang-Utans auf Borneo und Sumatra ähnelt.

Erstmaliger Nachweis von Primaten-Sympatrie in Europa

Die Hammerschmiede ist für ihre außergewöhnlich gut erhaltenen Fossilien aus dem Miozän bekannt. Bisher wurden dort jedoch stets nur Überreste einer einzelnen Primatenart gefunden. „Buronius manfredschmidi ist der erste Nachweis, dass im Miozän Europas mehrere Menschenaffen-Arten am selben Ort lebten“, betont Böhme.

Zwei verschiedene Affenarten lebten gleichzeitig in Deutschland

Die Fossilien von Buronius manfredschmidi wurden am Fundort Hammerschmiede in Bayern entdeckt. Dies ist der erste Fall in Europa, dass zwei verschiedene Menschenaffenarten aus derselben Zeit an einem Fundort gefunden wurden. Dies deutet auf eine größere Vielfalt an Primaten in der Region hin, als bisher angenommen wurde.

Die Entdeckung vergrößert das Bild der damaligen Artenvielfalt und Ökologie erheblich. Die Studie ist im Fachjournal PLoS ONE erschienen. Die Forscher hoffen, durch Untersuchungen weiterer Fossillagerstätten zusätzliche Belege für das gleichzeitige Vorkommen mehrerer Primatenarten zu finden.

Fakten auf den Punkt

NameBuronius manfredschmidi
KörpergrößeEtwa 10 kg
ErnährungBlätterfresser
LebensweiseAufrechte Fortbewegung, Klettern
KörpergrößeEtwa 10 kg
ErnährungBlätterfresser
LebensweiseAufrechte Fortbewegung, Klettern

Weitere interessante Artikel


Quelle

https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0301002

Jan.
Über Jan 176 Artikel
Jan ist der Hauptautor von beachtenswert.info und freut sich immer über Feedback. Mit journalistischer Erfahrung seit 2012, als Buchautor aktiv und mit großer Passion für das Weltenbummeln (mit Betonung auf Bummeln.)