Europas grüner Musterschüler: Portugal erzeugt 80 % Strom aus Erneuerbaren

Portugal Küste

Im Januar 2026 hat Portugal einen bemerkenswerten Rekord aufgestellt: 80,7 Prozent des erzeugten Stroms stammten aus erneuerbaren Quellen – Wind, Wasser und Sonne. Damit kletterte das kleine Land an der Atlantikküste auf Platz zwei in Europa und überholte Länder wie Dänemark und Schweden. 210 Stunden lang deckten die Erneuerbaren den gesamten nationalen Strombedarf. Gegenüber der Produktion aus Erdgaskraftwerken sparte Portugal in diesem einen Monat schätzungsweise 703 Millionen Euro ein. Ein Blick auf einen europäischen Klimaerfolg – und was Deutschland davon lernen kann.

Der Rekord im Detail: Zahlen, die beeindrucken

Laut dem portugiesischen Verband für erneuerbare Energien, APREN (Associação Portuguesa de Energias Renováveis), wurden im Januar 2026 insgesamt 4.420 Gigawattstunden (GWh) sauberer Strom erzeugt – bei einer Gesamtproduktion von 5.479 GWh. Das ergibt einen Anteil von 80,7 Prozent. Es war der höchste Wert seit April 2025.

Besonders eindrucksvoll: In 210 nicht aufeinanderfolgenden Stunden deckte die erneuerbare Stromproduktion den gesamten nationalen Verbrauch vollständig ab. Das bedeutet, dass Portugal in diesen Momenten keinerlei fossile Energie benötigte, um Haushalte und Industrie zu versorgen.

Der Verbrauch stieg im selben Monat gleichzeitig um 8,3 Prozent auf ein Rekordniveau – was den Erfolg umso beachtlicher macht. Netto-Importe machten rund 16 Prozent der Elektrizitätsversorgung aus, was zeigt, dass Portugal noch nicht vollständig autark ist, aber einen wichtigen Meilenstein erreicht hat.

Wind, Wasser, Sonne: Portugals Energie-Mix

Portugals Stromversorgung basiert auf einem gut ausbalancierten Mix aus drei erneuerbaren Quellen. Wasserkraft (Hydroenergie, also Strom aus fließendem oder gespeichertem Wasser) lieferte im Januar mit 36,8 Prozent den größten Anteil. Windenergie folgte knapp dahinter mit 35,2 Prozent. Solarenergie trug 4,4 Prozent bei – im sonnenarmen Wintermonat Januar ein erwartungsgemäß geringerer Wert.

Dass gerade der Januar so stark abschnitt, ist kein Zufall: Mehrere Tiefdruckgebiete zogen über die Iberische Halbinsel und brachten starke Winde und ergiebige Niederschläge mit sich. Für die Bevölkerung bedeuteten sie Sachschäden und Stromausfälle – für die Erneuerbaren waren sie ein Produktionsschub.

Portugal hat seit Jahren konsequent auf diese drei Säulen gesetzt. Bereits 2021 wurde das letzte Kohlekraftwerk des Landes stillgelegt. Atomkraft spielte nie eine Rolle in der portugiesischen Energieversorgung – und das soll auch zukünftig so bleiben, auch wenn die Kernenergie in der nationalen Debatte als mögliche Ergänzungsoption diskutiert wird.

703 Millionen Euro gespart: der wirtschaftliche Effekt

Erneuerbare Energie ist längst nicht mehr nur eine ökologische Entscheidung – sie ist auch wirtschaftlich rational. APREN errechnete, dass die hohe Einspeisung aus Erneuerbaren im Januar 2026 Einsparungen von schätzungsweise 703 Millionen Euro gegenüber einer vergleichbaren Produktion aus Erdgaskraftwerken ermöglichte.

Gleichzeitig sank der durchschnittliche Stundenpreis auf dem iberischen Strommarkt (MIBEL) auf 71 Euro pro Megawattstunde – ein Rückgang von 26,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Günstigere Erneuerbaren drücken also die Marktpreise nach unten, was letztlich auch Verbraucherinnen und Verbrauchern zugutekommen kann.

Der wirtschaftliche Effekt verdeutlicht eine Entwicklung, die Energieökonomen schon länger beobachten: Wind- und Wasserkraft sind in Portugal mittlerweile günstiger als fossile Alternativen. Die Investitionen der vergangenen Jahrzehnte zahlen sich aus – nicht nur für das Klima, sondern auch für den Staatshaushalt.

Von Platz vier auf Platz zwei – Portugals langer Weg

Normalerweise rangiert Portugal auf dem vierten Platz der europäischen Märkte beim Anteil erneuerbarer Energien. Der Januar-Rekord katapultierte das Land auf Platz zwei – nur noch übertroffen von Norwegen (96,3 Prozent), das allerdings kein EU-Mitglied ist und traditionell auf enorme Wasserkraftreserven zurückgreifen kann. Dänemark rutschte auf Platz drei (78,8 Prozent).

Portugals Weg dorthin war lang und geprägt von frühzeitiger politischer Weichenstellung. Bereits 2016 formulierte das Land das Ziel, bis 2050 klimaneutral zu werden – weit vor vielen anderen EU-Staaten. Im Dezember 2024 verabschiedete das portugiesische Parlament den aktualisierten Energie- und Klimaplan 2030 (PNEC 2030) mit erhöhten Zielmarken, einstimmig und ohne Gegenstimme.

Dieser Plan sieht vor, den Anteil der Erneuerbaren am Stromverbrauch bis 2030 auf 85 Prozent zu steigern. Der Januar 2026 zeigt: Das ist kein unrealistisches Ziel. Es ist ein erreichbares, wenn die infrastrukturellen Grundlagen stimmen.

Was Europa von Portugal lernen kann – und wo Deutschland steht

Wie weit ist Deutschland im Vergleich? Laut Statistischem Bundesamt stammten 2025 rund 58,6 Prozent des ins Netz eingespeisten deutschen Stroms aus erneuerbaren Quellen – gemessen am Bruttostromverbrauch waren es etwa 55 Prozent. Das ist ein solider Wert, aber deutlich unter Portugals Januarrekord von 80,7 Prozent.

Bis 2030 hat sich Deutschland per Gesetz verpflichtet, 80 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus Erneuerbaren zu decken. Das Umweltbundesamt betont, dass dafür der Ausbau – vor allem bei Windenergie – weiter beschleunigt werden muss. In den ersten beiden Monaten 2026 stieg die Produktion aus Wind in Deutschland zwar um rund 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr, doch Wasserkraft spielte kaum eine Rolle, und der fossile Anteil nahm wieder leicht zu.

Portugal zeigt, was möglich ist, wenn ein Land früh auf die richtigen Technologien setzt, klare gesetzliche Ziele formuliert und konsequent investiert. Die geografischen Vorteile – viel Wind an der Atlantikküste, starke Wasserreserven im Landesinneren – sind real, aber nicht allein entscheidend. Dänemark hat bei weniger Fläche ebenfalls über 78 Prozent Erneuerbare erreicht. Der entscheidende Faktor ist politischer Wille, verbunden mit langfristiger Planung.

Zahlen im Vergleich (Januar 2026 / Jahreswert 2025)

  • 🇵🇹 Portugal: 80,7 % erneuerbarer Strom (Januar 2026)
  • 🇳🇴 Norwegen: 96,3 % (Januar 2026, kein EU-Mitglied)
  • 🇩🇰 Dänemark: 78,8 % (Januar 2026)
  • 🇩🇪 Deutschland: ~59 % (Jahresdurchschnitt 2025)
  • Deutschland-Ziel 2030: 80 % am Bruttostromverbrauch

Weiterführende Quellen

Weitere Theman