Silvester wird weltweit auf höchst unterschiedliche Weise gefeiert. Während in Deutschland Bleigießen, Raclette und Feuerwerk zur Tradition gehören, setzen andere Länder auf weitaus skurrilere Rituale. In Dänemark fliegen Teller gegen Türen, in Ecuador brennen Puppen auf offener Straße und in Kolumbien gehen Menschen mit leeren Koffern spazieren – alles im Namen des Glücks. Was auf den ersten Blick verrückt erscheint, hat meist tief verwurzelte kulturelle Ursprünge. Ein Überblick über die außergewöhnlichsten Bräuche zum Jahreswechsel.
Scherben, Sprünge und Mitternachtstrauben
In Dänemark begrüßt man das neue Jahr lautstark – nicht mit Raketen, sondern mit zerbrochenem Porzellan. Alte Teller werden gezielt gegen die Haustüren von Freunden geworfen. Je größer der Scherbenhaufen, desto größer der Freundeskreis – so der Glaube.
In Spanien wiederum steht Pünktlichkeit im Fokus. Zu jedem der zwölf Glockenschläge um Mitternacht wird eine Weintraube gegessen. Nur wer das rechtzeitig schafft, soll im neuen Jahr Glück haben. Diese Tradition ist so populär, dass in Supermärkten bereits vorgeschnittene und kernlose Trauben verkauft werden.
Kuriose Rituale in Lateinamerika
In Ecuador ist der Jahreswechsel ein symbolischer Akt des Abschieds. Überall im Land werden sogenannte „Años Viejos“ verbrannt – Puppen aus Pappe, Stoff oder Zeitungspapier, die das alte Jahr darstellen. Viele tragen Masken von Politikern oder Prominenten, manche sind meterhoch.
In Kolumbien glaubt man daran, dass Reisen durch Handlungen manifestiert werden können. Wer zu Silvester mit einem leeren Koffer einmal um den Häuserblock läuft, darf im kommenden Jahr auf viele Reisen hoffen. Der Brauch ist so etabliert, dass selbst Familien gemeinsam mit Gepäck um Mitternacht durch die Straßen ziehen.
Wenn Kleidung und Lebensmittel Glück bringen sollen
In Italien – aber auch in Argentinien und Spanien – gilt es als besonders wichtig, in der Silvesternacht rote Unterwäsche zu tragen. Die Farbe steht für Liebe, Leidenschaft und Wohlstand. Allerdings funktioniert der Brauch nur, wenn das Kleidungsstück ein Geschenk war.
In Griechenland hängt man Zwiebeln an die Haustür, um Wachstum und Erneuerung ins Haus zu holen. Die symbolträchtige Pflanze soll dem Haussegen auf die Sprünge helfen. In Schottland werden zum Jahreswechsel beim Hogmanay-Festival große Feuerbälle durch die Straßen geschleudert – ein spektakulärer Anblick, der auf einen Wikingerbrauch zurückgeht.
Sprünge über Wellen und Reinigungsrituale
In Brasilien verbinden viele Menschen den Jahreswechsel mit dem Meer. Nach Mitternacht versammeln sich Familien und Gruppen an Stränden, um über sieben Wellen zu springen. Jeder Sprung steht symbolisch für den Abschied von Herausforderungen des alten Jahres und die Hoffnung auf Glück und Gesundheit im neuen Jahr. Gleichzeitig darf sich jeder Teilnehmer etwas wünschen – ein Brauch, der über Generationen weitergegeben wurde und heute besonders an berühmten Stränden wie Copacabana gepflegt wird.
In Teilen Asiens, insbesondere in Japan, steht der Jahreswechsel im Zeichen der inneren Reinigung. Traditionell läuten buddhistische Tempel 108 Glockenschläge in der Silvesternacht, um weltliche Begierden und negative Energien zu vertreiben und mit einem reinen Geist ins neue Jahr zu starten.
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Tabus und Glücksregeln für den ersten Tag
Manche Kulturen haben eigenwillige Tabus am Neujahrstag: In Teilen Chinas gilt es als schlechtes Omen, am ersten Tag des Jahres Haare zu waschen oder zu schneiden, da dies symbolisch das Glück des kommenden Jahres „wegwaschen“ könnte. Auch Putzen oder Kehren soll nach traditioneller Überlieferung am 1. Januar vermieden werden, um nicht den Familiensegen zu beseitigen.
In Polen wiederum steckt ein kulinarisches Talismansystem im Schuh: Das Platzieren von Mohn in den Schuhen soll Reichtum und finanzielle Fülle anziehen, während in Estland einige Menschen am Neujahrstag bewusst mehrmals essen – sieben oder sogar zwölf Mahlzeiten –, um Stärke und Fülle für die kommenden Monate zu symbolisieren.
Kuriose Silvesterbräuche weltweit im Überblick
| Land / Region | Brauch | Bedeutung |
|---|---|---|
| Dänemark | Tellerwerfen an Türen | Freundschaft und Glück |
| Spanien | 12 Trauben um Mitternacht | Glück für jeden Monat |
| Ecuador | Brennende Años Viejos | Vergangenes hinter sich lassen |
| Kolumbien | Mit leerem Koffer um den Block | Wunsch nach Reisen |
| Italien | Rote Unterwäsche tragen | Liebe und Wohlstand |
| Griechenland | Zwiebel an der Haustür | Wachstum im neuen Jahr |
| Schottland | Feuerball-Festival (Hogmanay) | Vertreibung böser Geister |
| Brasilien | Über 7 Wellen springen | Wünsche und Reinigung |
| Japan | 108 Glockenschläge im Tempel | Reinigung von Sünden |
| China | Kein Waschen oder Putzen am 1. Januar | Glück nicht vertreiben |
| Estland | 7 bis 12 Mahlzeiten essen | Fülle und Kraft fürs Jahr |
| Polen | Mohn im Schuh | Finanzielles Glück |
| Irland | Lärmmachen mit Töpfen | Böse Geister vertreiben |
| Schweiz | Silvesterchläuse ziehen durch Dörfer | Fruchtbarkeit und Schutz |
Tierische und lärmende Bräuche
In einigen Regionen Europas gehört das Lärm‑Machen zur Silvesternacht, um böse Geister zu vertreiben. So schlagen manche Familien oder Nachbarn mit Töpfen und Pfannen auf Balkonen und in Straßen aufeinander ein, ein Brauch, der ursprünglich aus irischen Traditionen stammen soll und heute in verschiedenen Abwandlungen auch anderswo praktiziert wird.
In der Schweiz ziehen in ländlichen Gegenden zu Silvester die sogenannten Silvesterchläuse durch Dörfer: Verkleidet mit Reisig‑ und Moosmasken, klingeln und lärmen sie, um böse Kräfte fernzuhalten und das neue Jahr mit Fruchtbarkeit und Gesundheit zu begrüßen.
Tom ist der Hauptautor von beachtenswert.info und freut sich immer über Feedback. Mit journalistischer Erfahrung seit 2012, als Buchautor aktiv und mit großer Passion für das Weltenbummeln (mit Betonung auf Bummeln.)

