Nietzsche und die Malling-Hansen Schreibkugel

Die Schreibkugel von Malling Hansen.
Die Schreibkugel von Malling Hansen. (Quelle: Daderot, Wikimedia Commons)

Zu der Hochphase seines Wirkens kämpfte Friedrich Nietzsche (1844 – 1900) mit starken gesundheitlichen Problemen. Zu Schlaflosigkeit und Verdauungsstörungen gesellte sich eine stark nachlassende Sehkraft. Den Aufzeichnungen von Nietzsches Arzt in Frankfurt zufolge, konnte der Philosoph mit dem rechten Auge nur noch verzehrte Bilder wahrnehmen. Ebenso wenig konnte dieser für länger als 20 Min. lesen oder schreiben.

So entschied sich Nietzsche 1882 zur Nutzung einer Schreibmaschine. Die ersten funktionierenden Schreibmaschinen gab es bereits seit Beginn des 19. Jahrhunderts. Es gilt als bekannt, dass Nietzsche die damals konventionellen Schreibmaschinen von Remington bekannt waren. Doch bald schon brachte ein Nietzsches Freund Paul Rée diesem am 4. Februar 1882 während eines Kursaufenthalts in Genua eine Schreibkugel aus dänischer Produktion mit. Rée war dabei nur der Überbringer. Denn die Maschine war ein Geschenk von Nietzsches Schwester Elisabeth

Schreibkugel mit Vorteilen gegenüber anderen Schreibmaschinen

DIe Schreibkugel galt als viel portabler im Vergleich zu den übrigen Schreibgeräten auf dem Markt. Sie passte somit besser zu den Bedürfnissen des vielreisenden Philosphen. Zudem war die 1870 auf dem Markt erschienene Skrivekugle (dän.) des dänischen Pastors Hans Rasmus Johann Malling-Hansen mit dem Hintergedanken erschaffen worden, Personen mit schlechterer Sehkraft zum Schreiben von Manuskripten zu befähigen.

Der Aufbau der Schreibgeräts bestand aus 54 konzentrischen Taststangen, die mit Zahlen, Buchstaben und Interpunktionszeichen beschriftet waren. Im Unterschied zu damaligen Schreibgeräten wie der Remington war jeder Taste ein Symbol zugeordnet. Das ermöglichte eine viel einfachere Bedienung. Zudem waren die jeweiligen Symbolen auf den Tasten eingraviert, was eine blinde Ertastung eines Buchstabens erlaubte.

Eine weitere Eigenart: Da der Tastenblock das Manuskript verdeckte, war eine visuelle Kontrolle des Geschriebenen während des Tippens nicht möglich. Zudem war weitere Versionen der Schreibkugel in Produktion: eine Variante mit der Moon-Blindenschrift sowie eine Variante zur Verschlüsselung von Botschaften.

Am 16.Februar 1882 schrieb Nietzsche zu seinem Umgang mit dem Apparat:

Schreibkugel ist ein Ding gleich mir: von Eisen
Und doch leicht zu verdrehn zumal auf Reisen.
Geduld und Takt muss reichlich man besitzen
Und feine Fingerchen, ums zu benuetzen.

Laut Dieter Eberweins Publikation zu Nietsches Schreibkugel hatte der Philosoph schon bald mit der Schreibkugel zu kämpfen. So soll diese bereits während des Aufenthalts in Genua beschädigt worden sein. Die Reparaturversuche im Anschluss sollen nur dazu geführt haben, dass die Schreibkugel noch in einem schlimmeren Zustand war. Dennoch soll Nietzsche zu einer Zeit, die als Hochphase seines Schaffens gilt, insgesamt bis zu 60 Manuskripte auf der Schreibkugel getippt haben.

Der Brief von Friedrich Nietzsches an Heinrich Köselitz.
 Der Brief Friedrich Nietzsches an Heinrich Köselitz vom 17. Februar 1882 gilt als der früheste erhaltene Schreibmaschinentext Nietzsches. (Quelle Wikimedia Commons.)

Heute noch 34 Schreibkugeln im Umlauf

Nach Angaben der Malling-Hansen Gesellschaft sollen sich von den vermutlich 180 hergestellten Maschinen heute nur noch vier Modelle in Privatbesitz befinden. Alle anderen ungefähr 3 Exemplare befinden sich bereits in Museumssammlungen auf der ganzen Welt. Die Schreibkugel von Malling-Hansen galt seit vielen Jahren als die teuerste historische Schreibmaschine der Welt mit einem Wert bis zu 130.000 Euro.

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