Isländische Tradition um die Weihnachtskatze Jólakötturinn

Die Yule-Katze Jólakötturinn.
Die Yule-Katze Jólakötturinn verspeist die Unartigen

Wer bei uns an Weihnachten denkt, dem kommen Geschenke, ein geschmückter Baum und ein Festschmaus in den Sinn. Doch in Island herrscht zum Fest der Lichter ein besonderer Brauch. Wenn ein isländisches Kind das Jahr über artig war, bekommt es am 24. Dezember neue Kleidung geschenkt. Diejenigen Kinder aber, die am Weihnachtsabend keine neuen Kleider erhalten, werden von der Weihnachtskatze Jólakötturinn verspeist. 

Der Legende nach soll Jólakötturinn die Gestalt einer riesigen schwarzen Katze haben, so groß wie ein Haus sein und nur an Weihnachten auf der Pirsch sein. Dann soll die Yule-Katze abends durch die Fenster in die Wohnzimmer der Familien hereinspähen. Ist unter den Geschenken neue Kleidung, zieht die Yule-Katze weiter. Fehlen jedoch die neuen Kleider, so verspeist das Wesen zuerst den Weihnachtsschmaus. Anschließend wird das ungezogene Opfer selbst aufzufressen. Die Vorliebe für das Verspeisen von Unartigen soll jedoch nicht nur auf Kinder beschränkt sein. Auch Erwachsene sollen sich vor Jólakötturinn in Acht nehmen müssen.

Ursprung der Legende um die Yule-Katze

Die ältesten schriftlichen Überlieferungen zu Jólakötturinn stammen aus dem 19. Jahrhundert. Dennoch ist anzunehmen, dass die Legende um die Yule-Katze bereits im Mittelalter verbreitet war. Der Ursprung wird in der Tradition vermutet, nach welcher Landarbeiter auf Bauernhöfen zu Weihnachten neue Kleidung als Bonus zu Weihnachten erhielten. Große Bekanntheit in Island erlangte die Sage durch eine Gedicht des isländischen Lyrikers Jóhannes úr Kötlum (1899–1972). 

Dabei lebt die Yule-Katze nicht allein. Sie soll das Jahr über im Haushalt der Riesin Grýla und ihres dritten Ehemannes Leppalúði wohnen. Auch Grýla ist eine zentrale Gestalt der isländischen Weihnachtstradition. Häufig als abstoßend und in Bettlergewand beschrieben, soll diese an Weihnachten an den Türen Klopfen und die Familien darum bitten, ihre Kinder herzugeben. Ihre Lieblingsspeise sind unartige Kinder. Grýla kann jedoch besänftigt werden, indem man ihr etwas zu essen mitgibt. 

Katzen sind in der skandinavischen Sagenwelt häufig an der Seite von Zauberern und Hexen anzutreffen. Einige Legenden berichten demnach auch von der Beschwörung von Trollkatzen mithilfe von Zaubersprüchen, bei denen auch menschliche Fingernägel und Knochen benötigt werden. Weitere Legenden handeln von Schamanen, welche die Gestalt von einer schwarzer schwarzen Katze annehmen können.

Ein Mittel zur Erziehung?

In erster Linie dient die Legende um Jólakötturinn als ein Mittel, um insbesondere Kinder das Jahr über zu tugendhaft Benehmen anzuspornen. Eine weitere Ausprägung dieser Tradition bringt mit sich, dass wohlbetuchte Familien, die von der Weihnachtskatze nichts zu befürchten hatten, dazu angespornt wurden, an Weihnachten auch den Ärmeren Kleider zu schenken. 

Auch heute dient die Legende um die Yule-Katze den Isländern als Ansporn, sich mit den Geschenken Mühe zu geben. Schließlich droht das Aufgefressen werden durch die Weihnachtskatze.

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Jan ist der Hauptautor von beachtenswert.info und freut sich immer über Feedback. Mit journalistischer Erfahrung seit 2012, als Buchautor aktiv und mit großer Passion für das Weltenbummeln (mit Betonung auf Bummeln.)

1 Kommentar

  1. ich finde es schön, dass Mythen und Legenden immer noch Einzug in das moderne Leben halten.

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