Lustige Tiernamen – gibt es diese Tiere wirklich?

Ein Säugetier.

Irgendwann in der Geschichte der Zoologie muss etwas schiefgelaufen sein. Anders lässt sich nicht erklären, warum es eine Fledermaus namens „Schokoladen-Fruchtzwerg“ gibt, einen Affen, der nach Kaiser Wilhelm II. benannt wurde, und einen Fisch, der aussieht, als hätte er aufgegeben. Das Tierreich steckt voller Geschöpfe, deren Namen klingen, als hätte jemand beim Scrabble geschummelt – oder beim Benennen einen Martini zu viel getrunken. Dieser Artikel nimmt euch mit auf eine Safari durch die absurdesten, komischsten und überraschendsten Tiernamen, die die Wissenschaft hervorgebracht hat.

Das Wichtigste in Kürze

  • Von „Nacktmull“ bis „Satansröhrenspinne“ – das Tierreich kennt keine Scham bei der Namensgebung.
  • Viele der absurdesten Namen gehen auf das Benennungssystem von Carl von Linné zurück, der im 18. Jahrhundert die Grundlage für die moderne Taxonomie legte.
  • Manche Namen beschreiben das Aussehen (Blobfisch), andere das Verhalten (Lachender Hans), und wieder andere klingen einfach nur so, als hätte sich jemand einen Spaß erlaubt (Schokoladen-Fruchtzwerg).

Die Hall of Fame: Tiernamen, die man erst googeln muss, um sie zu glauben

Beginnen wir mit den Schwergewichten der Absurdität. Diese Tiere tragen Namen, die bei Scrabble-Partien für Streit sorgen würden – und existieren trotzdem alle in der freien Wildbahn.

Der Nacktmull (Heterocephalus glaber) macht den Anfang, und das aus gutem Grund: Er sieht genauso aus, wie er heißt. Dieses ostasiatische Nagetier hat nackte, faltige Haut, riesige Schneidezähne und die Anmut eines Bratwürstchens mit Beinen. Was ihm an Schönheit fehlt, macht er durch biologische Superkräfte wett: Nacktmulle sind nahezu krebsresistent, spüren kaum Schmerz und werden für Nagetiere ungewöhnlich alt – bis zu 30 Jahre.

Dann wäre da der Blobfisch (Psychrolutes marcidus), das inoffizielle Maskottchen des Internets. In seiner natürlichen Umgebung – der Tiefsee vor Australien, in 600 bis 1.200 Metern Tiefe – sieht er ganz normal aus. Erst an der Oberfläche, wo der Druckunterschied seinen gelatinösen Körper zusammensacken lässt, bekommt er das berühmte „Ich-hab-die-Steuererklärung-vergessen“-Gesicht. 2013 wurde er zum hässlichsten Tier der Welt gewählt – eine Ehre, die ihm niemand streitig machen konnte.

Der Kaiserschnurrbarttamarin (Saguinus imperator) verdankt seinen Namen einem Witz, der aus dem Ruder lief. Als Forscher das Äffchen zum ersten Mal beschrieben, verglichen sie seinen imposanten weißen Schnurrbart scherzhaft mit dem von Kaiser Wilhelm II. Der Name war als Gag gedacht – wurde dann aber tatsächlich zum offiziellen wissenschaftlichen Namen. Das Artepitheton „imperator“ steht bis heute in den Lehrbüchern.

Nicht minder grandios: der Schokoladen-Fruchtzwerg (Enchisthenes hartii). Nein, das ist kein Dessert aus dem Kühlregal, sondern eine sechs Zentimeter kleine Fledermaus aus Mittelamerika, die zur Unterfamilie der „Fruchtvampire“ gehört. Sie ernährt sich von Feigen, schläft kopfüber in Kolonien und hat einen Namen, für den sich jeder Supermarkt schämen würde.

Das Aye-Aye (Daubentonia madagascariensis) sieht aus wie die Kreuzung aus Fledermaus, Eichhörnchen und einem Wesen aus einem Tim-Burton-Film. Dieser nachtaktive Primat aus Madagaskar klopft mit seinen skelettartigen Fingern auf Baumrinde, um Insektenlarven per Echoortung aufzuspüren. Sein Name soll vom malagassischen Wort für „Geist“ oder „Dämon“ stammen – und wer nachts in einem Regenwald auf dieses Tier trifft, versteht sofort warum.

Die Yeti-Krabbe (Kiwa hirsuta) wurde erst 2005 in der Tiefsee bei den Osterinseln entdeckt und sofort zum Star. Ihre langen, dicht behaarten Scheren erinnern an den legendären Schneemenschen. Der wissenschaftliche Name „hirsuta“ bedeutet schlicht „behaart“ – was für eine Krabbe, die in 2.200 Metern Tiefe an heißen Hydrothermalquellen lebt, mindestens ungewöhnlich ist.

Der Vampirtintenfisch (Vampyroteuthis infernalis) gewinnt den Preis für den dramatischsten lateinischen Namen aller Zeiten: „Vampirtintenfisch aus der Hölle“. Dieser Tiefseebewohner hat leuchtende Augen, einen dunklen Mantel und Fangarme mit Dornen. Trotz des apokalyptischen Namens ist er allerdings harmlos – er ernährt sich von absinkenden organischen Partikeln, die Meeresbiologen liebevoll „Meeresschnee“ nennen.

Der Plumplori (Nycticebus) klingt wie ein Kosename für übergewichtige Kinder, ist aber ein ernstzunehmender Primat – und einer der wenigen giftigen Säugetiere weltweit. An seinen Armen sitzt eine Drüse, deren Sekret in Kombination mit Speichel giftig wird. Hinter den riesigen Kulleraugen steckt also ein veritables Chemielabor.

Der Wandelnde Ast (Phasmatodea) heißt so, weil er genauso aussieht: wie ein Zweig, der sich bewegt. Diese Stabheuschrecken sind derart perfekt getarnt, dass man sie erst bemerkt, wenn man sich auf sie setzt. Manche Arten werden über 30 Zentimeter lang – das längste Insekt der Welt gehört zu dieser Gruppe.

Der Schabrackentapir (Tapirus indicus) klingt wie eine Figur aus dem Mittelalter, ist aber ein lebender Tapir aus Südostasien. Sein Name bezieht sich auf die „Schabracke“ – eine Satteldecke –, weil sein schwarz-weißes Fellmuster aussieht, als trage er eine elegante Pferdedecke spazieren.

Und die Satansröhrenspinne (Dysdera crocata)? Klingt nach einem Endgegner in einem Videospiel, ist aber in Wahrheit eine kleine, harmlose Spinne, die sogar in deutschen Gärten vorkommt. Ihren Namen verdankt sie den leuchtend roten Beißklauen, die im Kontrast zum dunklen Körper stehen. Satan hätte vermutlich etwas Imposanteres erwartet.

Der Palmendieb (Birgus latro) ist kein Affe und kein Einbrecher, sondern das größte an Land lebende Krebstier der Welt – bis zu 40 Zentimeter lang und vier Kilogramm schwer. Er klettert auf Palmen, knackt mit seinen gewaltigen Scheren Kokosnüsse und hat damit den passendsten Tiernamen überhaupt verdient. Auf der Weihnachtsinsel im Indischen Ozean sieht man ihn regelmäßig auf Bäumen sitzen – ein Bild, das man nicht mehr vergisst.

Das Dikdik (Madoqua) ist eine nur hasengroße Zwergantilope aus der afrikanischen Steppe. Ihr Name? Kein Witz eines Zoologen, sondern eine lautmalerische Nachbildung ihres Alarmrufs: „Dsik-dsik!“ Wenn Gefahr droht, gibt das Dikdik genau diesen Laut von sich und flüchtet im Zickzack davon. Manchmal benennt sich ein Tier einfach selbst.

Das Schnabeltier (Ornithorhynchus anatinus) ist das zoologische Äquivalent eines zusammengewürfelten Bausatzes: Entenschnabel, Biberschwanz, Giftstachel am Hinterbein, legt Eier, säugt seinen Nachwuchs mit Milch. Als europäische Wissenschaftler im 18. Jahrhundert das erste Exemplar aus Australien erhielten, hielten sie es für eine Fälschung. Sein deutscher Name beschreibt eigentlich nur das auffälligste Detail – bei diesem Tier hätte man jedes Körperteil als Namensgeber nehmen können.

Das Stinktier (Mephitidae) kommt mit einem Namen daher, der so direkt ist wie seine Verteidigungsstrategie: Bei Gefahr sprüht es ein übelriechendes Sekret, das noch in 500 Metern Entfernung wahrnehmbar ist. Der wissenschaftliche Name „Mephitis“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „giftiger Dunst“ – die Wissenschaft war hier ausnahmsweise nicht subtiler als der Volksmund.

Der Schuhschnabel (Balaeniceps rex) sieht aus, als hätte jemand einem Storch einen überdimensionalen Holzschuh auf den Kopf gesetzt. Dieser über einen Meter große Vogel aus den Sümpfen Ostafrikas hat einen der eindrucksvollsten Schnäbel im gesamten Tierreich – breit, klobig und messerscharf. Sein lateinischer Name „rex“ (König) ist verdient: Wer diesem Vogel in die Augen schaut, fühlt sich automatisch unterlegen.

Verrückte Vogelnamen: Wenn Ornithologen kreativ werden

Vogelkundler scheinen besonders viel Spaß bei der Namensgebung zu haben. Kein anderes Tierreich liefert so viele Bezeichnungen, die gleichzeitig Kopfschütteln und Lachen auslösen.

Der Lachende Hans (Dacelo novaeguineae) ist ein australischer Eisvogel, dessen Ruf klingt wie hysterisches menschliches Gelächter. „Ku-ku-ku-ku-ka-ka-ka!“ – dieses markante Geräusch dient der Revierverteidigung und hat dem Vogel auch den internationalen Namen „Kookaburra“ eingebracht. Wer den Ruf einmal gehört hat, vergisst ihn nicht mehr.

Die Dickschnabellumme (Uria lomvia) klingt wie eine Beleidigung, ist aber ein Meeresvogel aus der Alkenfamilie. Und ja – sie ist eng verwandt mit der Trottellumme. Die Ornithologen, die diese beiden benannt haben, waren offensichtlich gut gelaunt.

Der Schopfkarakara (Caracara plancus) verdankt seinen Namen seinem eigenen Ruf: „Cara-cara!“ Der falkenartige Greifvogel aus Südamerika trägt einen beeindruckenden Schopf und frisst so ziemlich alles – von Aas über Insekten bis hin zu Müll. Ein echter Allrounder mit einem Namen, der wie ein Zungenbrecher klingt.

Der Brillenpinguin (Spheniscus demersus) hat keine Sehschwäche – seine markanten rosa-weißen Augenringe sehen nur so aus, als trüge er eine Brille. Er ist der einzige Pinguin Afrikas und lebt an der Küste Südafrikas. Sein zweiter Name – „Jackass-Pinguin“ – ist noch besser: Er ruft wie ein Esel.

Und dann wäre da noch das Purpurhuhn (Porphyrio porphyrio): kein Huhn, sondern eine Ralle mit leuchtend blau-violettem Gefieder und riesigen Füßen. Oder der Spatzenkauz (Glaucidium passerinum) – Europas kleinste Eule, kaum größer als ein Spatz, mit einem Gesichtsausdruck, der permanent „Was willst du?“ sagt.

Das Thermometerhuhn (Leipoa ocellata) aus Australien hat seinen Namen nicht gestohlen: Es baut keine Nester, sondern vergräbt seine Eier in einem Erdhügel und reguliert die Bruttemperatur, indem es Material hinzufügt oder entfernt – wie ein lebendiger Thermostat. Das Männchen steckt regelmäßig seinen Schnabel in den Hügel, um die Temperatur zu prüfen. Zielgenau bei 33 Grad Celsius.

Die Gespenstschwalbe (Oceanodroma leucorhoa) gleitet fast lautlos über die Meeresoberfläche und wirkt dabei tatsächlich geisterhaft. Die Drachenkopfmeise (Parus cinereus) hat mit Drachen so wenig zu tun wie die Meise mit dem Kopf eines Drachen – aber ihre Kopffärbung erinnert entfernt an Schuppen, und das reichte den Namensgebern offenbar.

Der Zwergschnäpper (Ficedula parva) ist winzig, schnell und territorialer als sein Name vermuten lässt. Trotz nur zwölf Zentimetern Körpergröße verteidigt er sein Revier mit einer Aggressivität, die manchen Greifvogel beschämen würde. Ein Tier, dessen Name „niedlich klein“ suggeriert, das sich aber wie ein Türsteher verhält.

Unter Wasser wird’s noch absurder: Die verrücktesten Fischnamen

Wenn Meeresbiologen ein neues Tier entdecken, scheinen sie besonders kreativ zu werden. Oder besonders müde. Die Ergebnisse sind jedenfalls spektakulär.

Der Kuhfisch (Lactoria cornuta) hat zwei Hörner über den Augen und schwimmt mit der Eleganz einer Milchkuh durch tropische Korallenriffe. Sein offizieller Name – Langhorn-Kuhfisch – macht die Sache nicht weniger absurd.

Der Ananasfisch (Cleidopus gloriamaris) sieht tatsächlich aus wie eine schwimmende Ananas – gelb, schuppig und irgendwie stachelig. Er lebt vor der australischen Küste und hat unter seinem Unterkiefer leuchtende Organe, die Bakterien beherbergen. Eine Ananas, die im Dunkeln leuchtet – das kann sich kein Drehbuchautor ausdenken.

Der Kugelfisch (Tetraodontidae) macht genau das, was sein Name verspricht: Er bläst sich bei Gefahr kugelrund auf und fährt Stacheln aus. Manche Arten enthalten das Gift Tetrodotoxin, eines der stärksten natürlichen Gifte überhaupt – und werden in Japan trotzdem als Delikatesse „Fugu“ serviert. Russisches Roulette für Feinschmecker.

Der Teufelsrochen (Mobula mobular) hat seinen unheimlichen Namen den hornartigen Kopfflossen zu verdanken, die an Teufelshörner erinnern. In Wahrheit ist er ein friedlicher Planktonfresser, der bis zu fünf Meter Spannweite erreicht. Der Trompetenfisch wiederum sieht aus wie ein schwimmendes Blasinstrument, und der Drachenkopf (Scorpaenidae) hat eine Visage, die selbst Filmemacher neidisch machen würde.

Die Prinzessin von Burundi (Neolamprologus pulcher) ist ein Buntbarsch aus dem ostafrikanischen Tanganjikasee, der so anmutig aussieht, dass ihm Aquarianer diesen royalen Titel verliehen haben. Auch als „Feenbarsch“ bekannt, ist dieses Tier der Beweis, dass nicht alle lustigen Tiernamen auf Kosten des Tieres gehen – manche sind schlicht schmeichelhaft.

Der Rote Schnapper (Lutjanus campechanus) klingt eher nach einem Cocktail als nach einem Fisch, hat aber seinen Namen schlicht von seiner auffällig roten Färbung. Der Spatenfisch (Ephippidae) erinnert an ein Gartenwerkzeug, der Flötenfisch (Fistulariidae) an ein Blasinstrument, und der Kuhhai (Nebrius ferrugineus) schwimmt mit der Gemütlichkeit einer Weide-Kuh durch die Meere – alle mit Namen, bei denen man nicht sicher ist, ob der Biologe gerade aus dem Garten, dem Orchester oder dem Stall kam.

Terrarium-Humor: Amphibien und Reptilien mit den besten Namen

Der Axolotl (Ambystoma mexicanum) ist das Tier gewordene Internet-Meme: ein permanent lächelnder Schwanzlurch aus Mexiko, der aussieht wie ein Unterwasser-Drache im Pyjama. Sein Name stammt aus der aztekischen Sprache Nahuatl und bedeutet „Wassermonster“ – was angesichts seines freundlichen Gesichts eher ironisch wirkt. Biologisch ist er ein Phänomen: Er kann Gliedmaßen, Organe und sogar Teile seines Gehirns regenerieren.

Der Tomatenfrosch (Dyscophus antongilii) aus Madagaskar ist leuchtend rot, kugelrund und sieht aus wie eine reife Tomate mit Augen. Bei Bedrohung bläht er sich auf und sondert einen klebrigen, weißen Schleim ab. Man könnte sagen: eine Tomate, die sich wehrt.

Der Glasfrosch (Centrolenidae) hat eine durchsichtige Bauchhaut, durch die man sein schlagendes Herz, seine Leber und seinen Darm sehen kann. Eine Anatomie-Stunde auf Beinen. Forscher vermuten, dass die Transparenz eine Tarnstrategie ist – das Licht scheint durch den Frosch hindurch und lässt ihn auf Blättern fast unsichtbar werden.

Die Gila-Krustenechse (Heloderma suspectum) ist eine der wenigen giftigen Echsen weltweit und trägt ihren Namen wegen der krustenartig strukturierten Schuppen. Und der Schmuckhornfrosch (Ceratophrys ornata) sieht aus wie ein grasgrüner, zorniger Tennisball mit Hörnern – was ihm auch den Spitznamen „Pac-Man-Frog“ eingebracht hat.

Die Geburtshelferkröte (Alytes) praktiziert eine der ungewöhnlichsten Formen der Brutpflege im Tierreich: Das Weibchen legt die Eier nicht ins Wasser, sondern übergibt sie dem Männchen. Das wickelt sich die Eischnüre um die Hinterbeine und trägt sie wochenlang herum, bis die Kaulquappen schlüpfen. Ein Vater mit buchstäblich angebundenem Nachwuchs.

Die Knoblauchkröte (Pelobates fuscus) riecht tatsächlich nach Knoblauch – aber nur, wenn man sie erschreckt. Bei Gefahr sondert sie ein übelriechendes Sekret ab, das an die Gewürzpflanze erinnert. Man könnte sagen: die einzige Kröte, die man besser nicht küsst. Die Kieselkröte (Oreophrynella) hat eine noch originellere Verteidigung: Sie rollt sich zusammen und lässt sich wie ein Stein den Berg hinunterfallen. Unten angekommen, rollt sie sich wieder auf und wandert weiter. Evolution mit Humor.

Der Blaue Pfeilgiftfrosch (Dendrobates tinctorius „azureus“) leuchtet in einem derart grellen Blau, dass er aussieht wie ein tropisches Bonbon. Die Farbe ist eine Warnung: „Fass mich nicht an.“ Indigene Völker in Südamerika nutzten das Gift dieser Frösche traditionell für Blasrohrpfeile – daher der Name. Der Stachelschwanzwaran (Uromastyx) verteidigt sich ebenfalls kreativ: Er schwingt seinen stacheligen Schwanz wie eine Keule gegen Angreifer. Ein Name, der gleichzeitig Aussehen und Kampfstrategie beschreibt.

Kleine Krabbler, große Namen: Insekten mit Humor

Die Gottesanbeterin (Mantodea) heißt so, weil sie ihre Vorderbeine gefaltet hält, als würde sie beten. In Wahrheit wartet sie nur auf die nächste Mahlzeit – die sie mit einem blitzschnellen Zugriff erbeutet. Manche Weibchen fressen nach der Paarung das Männchen. Beten allein reicht offenbar nicht.

Der Ameisenlöwe (Myrmeleontidae) ist kein Löwe, sondern die Larve einer Netzflügler-Art, die trichterförmige Fallen in den Sand baut und wartet, bis Ameisen hineinrutschen. Grausam effizient und mit einem Namen ausgestattet, der das perfekt zusammenfasst.

Und der Schmetterling? Sein deutscher Name geht auf das Wort „Schmetten“ zurück – ein altes Dialektwort für „Sahne“ oder „Rahm“. Der Grund: Einige Schmetterlingsarten wurden früher dabei beobachtet, wie sie sich auf offene Milchgefäße setzten. Ein Tier, das nach Milchprodukten benannt ist – deutscher geht es kaum.

Die Wandelnde Geige (Gongylus gongyloides) ist eine Fangschrecke aus Südostasien, deren Körperform tatsächlich an eine Geige erinnert. Sie hängt regungslos mit dem Kopf nach unten an Zweigen und ist durch ihr blattartiges Aussehen perfekt getarnt. Musik macht sie leider keine – aber ihr Äußeres ist Kunst genug.

Das Wandelnde Blatt (Phyllium) gehört wie der Wandelnde Ast zur Ordnung der Gespenstschrecken und sieht aus wie – richtig – ein Blatt. Komplett mit Blattadern, Verfärbungen und einer Form, die so perfekt kopiert ist, dass selbst Botaniker zweimal hinschauen müssen. Werden sie gestört, schaukeln sie sachte hin und her, als wären sie ein im Wind flatterndes Blatt. Die Gespenstschrecke hat ihren Namen vom selben Prinzip: geisterhafte Tarnung, die sie nahezu unsichtbar macht.

Die Tapezierspinne (Atypus) gräbt sich Erdröhren und kleidet diese von innen säuberlich mit Spinnseide aus – sie „tapeziert“ also tatsächlich ihre Wohnung. Drei Arten leben in Deutschland, und trotz des harmlos klingenden Namens gehören sie zu den Verwandten der Vogelspinnen.

Der Pillendreher (Scarabaeus sacer) formt aus dem Kot anderer Tiere perfekte Kugeln, die er mit seinen Hinterbeinen rollt. Im alten Ägypten galt dieser Käfer als heiliges Symbol der Auferstehung – was beweist, dass auch ein Mistkäfer mit dem richtigen Marketing zum Gott aufsteigen kann. Und der Zweiundzwanzigpunkt-Marienkäfer (Psyllobora vigintiduopunctata)? Hat genau 22 schwarze Punkte auf gelbem Grund. Hier wurde beim Namen einfach durchgezählt.

Die Skorpionsfliege (Mecoptera) sieht am Hinterleib aus wie ein Skorpion, ist aber völlig harmlos – das „Stachelende“ ist lediglich das Begattungsorgan der Männchen. Und der Hummelschwammkäfer (Criorhina berberina) imitiert das Aussehen von Hummeln so perfekt, dass selbst Fressfeinde ihn in Ruhe lassen. Ein Name, der klingt wie ein Zungenbrecher nach drei Bier.

Echt oder erfunden? Teste dein Tiernamen-Wissen

Das Tierreich hat uns längst gelehrt: Je absurder ein Name klingt, desto wahrscheinlicher ist er echt. Aber selbst Experten tun sich schwer, erfundene Tiernamen von echten zu unterscheiden. Hier kommen zehn Namen – manche existieren wirklich, manche haben wir frei erfunden. Könnt ihr die Fälschungen erkennen?

  1. Blödauge – ein kleiner Barsch mit großen, starren Augen
  2. Schleimaal – ein aalartiger Meeresbewohner, der literweise Schleim produziert
  3. Donnergurke – ein tropischer Käfer mit donnerndem Fluggeräusch
  4. Sargassofisch – ein perfekt getarnter Fisch im Sargassomeer
  5. Mooskrokodil – ein Krokodil mit moosartiger Hautstruktur
  6. Gespenstschrecke – ein Insekt, das wie ein Geist in der Vegetation verschwindet
  7. Honigdachs – ein furchtloses Raubtier mit Vorliebe für Honig
  8. Nebelkrabbe – eine Krabbe, die bei Dunst besonders aktiv wird
  9. Wandelnde Geige – eine Fangschrecke, deren Körper wie eine Geige geformt ist
  10. Purpurstinker – ein Schmetterling mit leuchtend lila Flügeln und Abwehrgeruch

Auflösung

Echt: Blödauge ✅, Schleimaal ✅, Sargassofisch ✅, Gespenstschrecke ✅, Honigdachs ✅, Wandelnde Geige ✅

Erfunden: Donnergurke ❌, Mooskrokodil ❌, Nebelkrabbe ❌, Purpurstinker ❌

Ja, richtig gelesen: „Blödauge“ ist ein echter Tiername. Der Blödaugenbarsch (Plectroglyphidodon lacrymatus) verdankt seinen schmeichelhaften Namen seinen auffällig großen, starr blickenden Augen. Und der Schleimaal produziert bei Gefahr so viel Schleim, dass er damit einen ganzen Eimer füllen kann.

Wer mehr als sechs richtig hatte, darf sich offiziell Tiernamen-Experte nennen. Wer weniger hatte: Keine Sorge – das Tierreich ist einfach absurder als jede Fantasie.

Warum heißen Tiere eigentlich so komisch?

Die wissenschaftliche Benennung von Tieren basiert auf dem sogenannten binominalen System, das der schwedische Naturforscher Carl von Linné im 18. Jahrhundert einführte. Jedes Tier bekommt zwei lateinische oder latinisierte Namen – Gattung und Art. So weit, so trocken.

Die wirklich lustigen Namen entstehen aber meist auf Deutsch, wenn Zoologen die lateinischen Bezeichnungen übersetzen oder volkstümliche Begriffe verwenden. Drei Hauptquellen für kuriose Tiernamen lassen sich ausmachen:

Aussehen: Der Nacktmull ist nackt, der Blobfisch ein Blob, der Brillenpinguin trägt Brille. Hier war die Kreativität minimal, das Ergebnis dafür maximal unterhaltsam.

Verhalten: Der Ameisenbär frisst Ameisen. Das Faultier ist faul. Der Specht spechtet (hämmert). Die deutsche Sprache glänzt hier durch eine Direktheit, die an Brutalität grenzt.

Kulturelle Referenzen: Der Kaiserschnurrbarttamarin erinnerte an Wilhelm II., die Gottesanbeterin an eine betende Figur, und der Vampirtintenfisch an – nun ja – einen Vampir. Manchmal fließt auch Humor ein: Das Artepitheton des Kaiserschnurrbarttamarins war ursprünglich ein Witz unter Kollegen.

ℹ️ Gut zu wissen

Tiernamen werden nicht zufällig vergeben. Nach den Regeln der International Commission on Zoological Nomenclature (ICZN) muss jeder neue Artname in einer wissenschaftlichen Publikation veröffentlicht und einer Typbeschreibung zugeordnet werden. Trotzdem schlüpfen immer wieder humorvolle Namen durch – der Kaiserschnurrbarttamarin ist das bekannteste Beispiel. Einmal offiziell publiziert, bleibt der Name bestehen.

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Weiterführende Quellen

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