Kirche der versunkenen Stadt Rungholt entdeckt

Ein Leuchtturm und ein Wattenmeer.
Forscher haben die Strukturen einer Kirche auf dem Siedlungsgebiet der versunkenen Stadt Rungholt lokalisiert (Symbolbild / mage.space)

Ein Forscherteam der Uni Kiel hat im schleswig-holsteinischen Wattenmeer die Überreste der Kirche der untergegangenen Stadt Rungholt lokalisiert. Die mittelalterliche Siedlung war im 14. Jahrhundert einer Sturmflut zum Opfer gefallen und war seitdem Gegenstand vieler Legenden. Nun haben die Forscher bei geophysikalischen Untersuchungen bei der Hallig Südfall Strukturen lokalisiert, die eindeutig einer Kirche zugeordnet werden können.

Siedlungsstrukturen mit Warften

Das Wissenschaftlerteam fand eine ca. 2 km lange Strecke an Warften. Dabei handelt es sich um Erdaufschüttungen, um Siedlungsgebieten Schutz vor Hochwasser zu bieten. Inmitten dieser Flächen wurden die 40 x 15m bemessenen Grundmauern einer Kirche lokalisiert.

Der Archäologe Dr. Bente Sven Majchczak äußerte gegenüber Tagesschau.de: „Man guckt drauf und sieht sofort: Wir haben hier etwas, das zu einer mittelalterlichen Kirche gehört. Und zwar nicht zu so einer kleinen Dorfkirche, sondern zu einer von den wirklich größeren!“ Auch die Größe, etwa 40 Meter lang und fast 15 Meter breit, spreche für das 13. Jahrhundert.“

Aufgrund der Position der Kirche im Zentrum der Siedlungsstruktur gehen die Forscher davon aus, dass die Sakralbaute eine übergeordnete Bedeutung gehabt haben müsse, berichtet die Pressemitteilung.

Rungholt als Gegenstand von Mythen und Legenden

Die Stadt Rungholt fiel einer auf das Jahr 1362 datierten Sturmflut zum Opfer. Über die Zeit hinweg wurde der Untergang Rungholts in zahlreichen Berichten und Chroniken als göttliche Strafe für ein gottabgewandtes Leben darstellt.

Dem heutigen Wissenstand nach war der Untergang des Stadt jedoch in hohem Maße menschengemacht. Denn durch den Salztorfabbau und die Entwässerung der heute im Watt liegenden Gebiete sank das Land gegenüber dem Meeresspiegel deutlich ab. Das führte dazu, dass die Fluten im 14. Jahrhundert einfacher in die Siedlungsgebiete vordringen konnten.

In anderen Quellen wurde der Reichtum der Stadt hervorgehoben. Tatsächlich war Rungholt keine bäuerliche Dorfsiedlung, sondern vielmehr ein bedeutender überregionaler Handelsplatz. Das belegen die archäologischen Funde. Denn etwa ein Drittel aller Keramikfunde auf dem Gebiet stammt aus ferneren Ländern. Eine Quelle des Rungholter Wohlstandes ist das Salztorf gewesen. Salz war im Mittelalter ein begehrtes Handelsgut, mit dem Lebensmittel länger haltbar gemacht werden konnten.


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