Gibt es Zombies wirklich?

Eine Gruppe von Zombies im Comic-Stil.
Zombies und Wiedergänger waren lange Zeit ein Bestandteil der Folklore verschiedener Kulturen, bis sie in Film und TV Einzug hielten. (Bild/Mage.Space)

Seit dem Horrorklassiker „Die Nacht der Lebenden Toten“ von George A. Romero ist der Zombie eine Instanz in dem Horror- und Fantasygenre. Dabei waren die untoten Wiedergänger schon vor ihrer Erschließung durch die Unterhaltungsbranche Teil vieler Legenden und Mythen unterschiedlicher Kulturräume der Welt. Der nachfolgende Artikel beleuchtet einige dieser Mythen. Die zentrale Frage ist: Gibt es Zombies wirklich? Könnte das Zombie-Dasein tatsächlich viel realer sein, als wir denken?

Ursprünge in Haiti und Westafrika

Die Wurzeln der Zombie-Geschichten lassen sich bis nach Westafrika zurückverfolgen. In der Religion des Voodoo, die in Benin und Haiti weit verbreitet ist, gibt es die Vorstellung von Menschen, die durch Magie kontrolliert und in einen Zustand versetzt werden, der dem Tod ähnelt. Diese Personen werden dann als Arbeitskräfte eingesetzt und sind völlig willenlos – eine Vorstellung, die der westlichen Zombie-Darstellung in vielerlei Hinsicht ähnelt.

In Haiti, wo der Voodoo-Glauben durch die Versklavung von Westafrikanern eingeführt wurde, gibt es tatsächlich Berichte von Menschen, die angeblich durch Zombie-Pulver, eine Mischung aus Pflanzen und tierischen Substanzen, in einen todesähnlichen Zustand versetzt und dann wieder „zum Leben erweckt“ wurden. Auch wenn diese Geschichten wissenschaftlich umstritten sind, sind sie dennoch ein fester Bestandteil der haitianischen Folklore und haben zweifellos die westliche Zombie-Mythologie beeinflusst.

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Wieso wird Tetrodoxin als Zombie-Pulver bezeichnet?

Tetrodotoxin ist ein starkes Neurotoxin, das in verschiedenen Meerestieren wie Kugelfischen, Blaupunktrochen und einigen Arten von Kraken und Seesterne vorkommt. Es ist auch der Hauptbestandteil einiger Versionen des sogenannten „Zombie-Pulvers“, das in der haitianischen Voodoo-Kultur verwendet wird.

Tetrodotoxin wirkt, indem es die Natriumkanäle in den Nervenzellen blockiert. Diese Kanäle sind essentiell für die Übertragung von elektrischen Signalen in den Nerven. Wenn sie blockiert sind, können die Nerven keine Signale mehr senden, was zu einer Lähmung der Muskulatur führt. In hohen Dosen kann Tetrodotoxin zu einer so starken Lähmung führen, dass die betroffene Person äußerlich tot erscheint – sie kann sich nicht bewegen, nicht sprechen und zeigt kaum Anzeichen von Leben.

Es ist wichtig zu betonen, dass diese Person nicht wirklich tot ist. Ihr Herz schlägt immer noch und sie ist immer noch bei Bewusstsein, aber sie kann sich nicht bewegen oder kommunizieren. In einigen Fällen kann es sogar zu einem komatösen Zustand kommen, in dem die Person völlig bewusstlos ist.

Es gibt Berichte, dass Voodoo-Zauberer in Haiti dieses Tetrodotoxin verwenden, um Menschen in einen „Zombie“-Zustand zu versetzen. Nachdem das Opfer das Toxin eingenommen hat, wird es in einen Zustand versetzt, der dem Tod ähnelt. Nachdem es begraben wurde, wird es dann wieder ausgegraben und durch weitere Drogen in einen zustand versetzt, der Willenlosigkeit und Gehorsam gegenüber dem Zauberer ermöglicht.

Slawische Wiedergänger: Upir und Strigoi

Eine andere Sagengestalt aus der slawischen Folklore, die als Wiedergänger betrachtet werden kann, ist der Upir (auch als Upyr, Obir oder Vampir bekannt). Der Upir ist ein untoter, der aus seinem Grab steigt, um das Blut der Lebenden zu trinken. Obwohl der Upir eher den modernen Vorstellungen von Vampiren entspricht, gibt es dennoch Ähnlichkeiten mit Zombies, wie das Verlassen des Grabes nach dem Tod und das Bedrohen der Lebenden.

Auch die Figur des Strigoi aus der rumänischen Folklore kann als eine Art Wiedergänger betrachtet werden. Der Strigoi wird oft als ein untoter, der aus dem Grab steigt, um die Lebenden zu terrorisieren, beschrieben. Er kann sich in ein Tier verwandeln und hat einen unstillbaren Hunger nach menschlichem Blut.

Die Jiangshi in China

In der chinesischen Folklore gibt es ebenfalls Figuren, die den Zombies ähnlich sind. Diese sogenannten „Jiangshi“ werden oft als „springende Vampire“ oder „springende Zombies“ übersetzt. Im Gegensatz zu den westlichen Vorstellungen von Zombies, die sich langsam und schlurfend bewegen, sind die Jiangshi dafür bekannt, dass sie sich hüpfend fortbewegen. Sie sind nachtaktiv und entziehen ihren Opfern die Lebensenergie. Auch wenn es Unterschiede in den Details gibt, ist das Grundkonzept ähnlich: Ein untoter Körper, der die Lebenden bedroht.

So vielfältig die Vorstellungen von Zombies in verschiedenen Kulturen auch sind, sie alle weisen auf eine tiefe menschliche Angst vor dem Tod und dem Unbekannten hin. Sie spiegeln unsere Ängste vor dem Verlust unserer Menschlichkeit und unserer Kontrolle, und sie bieten eine düstere Reflexion auf die menschliche Natur und unsere tiefsten Ängste.

Die Draugr in der nordischen Mythologie

Der Draugr, auch als Aptrganga oder Haugbui bekannt, ist eine untote Kreatur aus der altnordischen und skandinavischen Folklore. Diese Wiedergänger galten als Verstorbene, die ihren Gräbern entstiegen, um die Lebenden zu terrorisieren. Sie bewachten ihre Schätze, die sie zu Lebzeiten angehäuft hatten, und verübten Racheakte gegen jene, die ihnen Unrecht getan hatten.

Draugar hatten übermenschliche Kräfte und waren bekannt dafür, dass sie nicht nur Menschen, sondern auch Tiere und Gebäude zerstören konnten. Es wird angenommen, dass sie ihren Opfern die Lebensenergie entzogen und sie sogar in weitere Draugar verwandeln konnten. Um einen Draugr endgültig zu besiegen, mussten die Helden den Körper verbrennen oder wieder im Grab versenken und den Kopf abtrennen, um den untoten Geist endgültig zu bannen.

Weitere interessante Themen

Obwohl Draugar in der nordischen Mythologie und den Sagas nicht genau den modernen Zombies entsprechen, gibt es dennoch Ähnlichkeiten. Beide sind untote Kreaturen, die aus ihren Gräbern zurückkehren, um die Lebenden zu bedrohen.

Fazit

Die faszinierende und vielfältige Welt der Wiedergänger und untoten Kreaturen in den unterschiedlichsten Kulturen zeigt, dass das Konzept des „Zombies“ weit mehr als nur ein modernes Popkultur-Phänomen ist. Von den haitianischen Bokors und ihren Tetrodotoxin-Zombies über die nordischen Draugar und die slawischen Upirs bis hin zu den chinesischen Jiangshi, spiegeln diese Geschichten tief verwurzelte menschliche Ängste und Unsicherheiten wider.

Diese Geschichten sprechen universelle Themen an, wie die Angst vor dem Tod, dem Unbekannten und dem Verlust der Kontrolle. Sie illustrieren unsere Unsicherheiten über das, was nach dem Tod passiert, und sie konfrontieren uns unter einem Deckmantel des Fantastischen mit einer der größten Fragen des Daseins.

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Jan.
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